DFG Forschergruppe (in Planung)

Bild: mca
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Soziale Ordnungen sind in vielfacher Hinsicht geprägt von verschiedenen Formen der Differenzierung. Menschen werden beispielsweise unterschieden nach ihrem Alter, ihrem Geschlecht oder ihrem sozialen Status. Immer wieder jedoch kommt es vor, dass die Anwendung solcher Unterscheidungen durch Ambiguität verhindert wird, weil der Gegenstand der Unterscheidung uneindeutig und weder der einen oder noch der anderen Seite der Differenz zuzuordnen ist. Seit Januar 2015 bereitet ein Projekt, das durch eine Anschubfinanzierung der Stiftung Mercator gefördert wird, den Antrag auf eine Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor, die an der Universität Duisburg-Essen eingerichtet werden und solche Ambiguitäten untersuchen soll.


Die Ausgangshypothese der Forschergruppe (an der UDE beteiligt: Prof. Dr. Frank Becker, Prof. Dr. Barbara Buchenau, Prof. Dr. Gabriele Genge, Prof. Dr. Kader Konuk, Prof. Dr. Christoph Marx, Prof. Dr. Patricia Plummer, Prof. Dr. Benjamin Scheller, Prof. Dr. Jörg Wesche) wird dabei sein: Ambiguität wird besonders dort zum Problem, wo sie zentrale soziale Differenzen verwischt und verunklart, d. h. Unterscheidungen, die besonders grundlegend für die jeweilige soziale Ordnung sind. Der Forschungsverbund aus Geschichts-, Literatur- und Kunstwissenschaft untersucht – in historischer Perspektive und für verschiedene Bereiche der Gesellschaft – Formen des Umgangs mit Ambiguität, welche die Leitdifferenzen des Geschlechts, der Religion sowie der Ethnie bzw. „Rasse“ herausfordert. Anknüpfend an die jüngsten Forschungen zum Phänomen der kulturellen Ambiguität, verspricht diese Perspektive neben den historischen Einsichten auch Antworten auf aktuelle und gesellschaftlich relevante Fragen: Wie gehen Menschen und Gruppen in unterschiedlichen historischen Epochen und kulturellen Gefügen mit Uneindeutigkeit um? Wann und unter welchen Bedingungen wird kulturelle Ambiguität problematisiert? Wann

wird sie toleriert oder gar als Gewinn empfunden?


Am 15. Juni 2015 fand an der Universität Duisburg-Essen ein Workshop statt, auf dem die Konzeption des Projektes mit einschlägig ausgewiesenen Wissenschaftler*innen aus der Soziologie, der Islam-, Geschichts- und Literaturwissenschaft sowie der Kunstgeschichte diskutiert wurde. Gäste waren Prof. Dr. Franz-Josef Arlinghaus (Bielefeld), Prof. Dr. Mita Banerjee und Prof. Dr. Stefan Hirschauer (beide Forschergruppe „Un/Doing Differences“, Mainz), Prof. Dr. Thomas Bauer (Münster) sowie Prof. Dr. Verena Krieger (Jena).

Text: Marcel Müllerburg, M.A.